Teufelskreis Diät – eine Abrechnung

Anna Peters anbou

Wider besseren Wissens, habe ich sie immer wieder gemacht: Diäten. Es gibt kaum eine Variante, die ich nicht ausprobiert habe – von der Kohlsuppendiät über FdH bis Weight Watchers. Damit ist Schluss!

In den letzten 16 Jahren habe ich so viel über Kohlenhydrate, gute und böse Fette, Vitamine und Fatburner gelesen, dass ich eigentlich meinen Job im Online-Marketing an den Nagel hängen könnte, um als Ernährungsberaterin anzufangen.

Wie viele Kalorien sollte man am Tag zu sich nehmen? Wie sieht ein gesundes Mittagessen aus, wie das perfekte Abendessen, um nachts den Stoffwechsel anzukurbeln? Ich kann sie alle herunterbeten, die besten Ernährungstipps und Rezepte. Bananen, Nudeln, Schokolade – auf Wunsch kann ich hier nicht nur den groben Kaloriengehalt nennen, sondern gleich noch gut schätzen, wie viele WeightWatchers-Punkte hinter welchem Lebensmittel stecken.

Und allem Wissen um Ernährung und Diäten zum Trotz, werde ich nicht schlank.

Als Jugendliche hat mich das wahnsinnig gefuchst. Mit 15 oder 17 Jahren war ich normalgewichtig, aber mit einer Kleidergröße um 38 bis 40 immer rundlicher als meine Schulfreundinnen, die locker in eine 36 passten. Ich träumte von einem durchtrainierten, braungebrannten Bauch wie Jennifer Lopez. Meiner aber war käseweiß und weich.

Statt mich so zu nehmen wie ich war, machte ich das Gegenteil: ich kämpfte gegen mich und meine Natur an. Mit Diäten. Ich sah nicht meine Vorzüge, sondern nur meine Defizite. Während andere Teens mit dem Rauchen anfingen, fing ich mit dem Diäten an.

Die erste Diät mit 15

Meine erste Diät als 15-Jährige fußte noch auf komplettem Nichtwissen. Daher verteufelte ich jegliche Form von Fett – und aß mehr Kohlenhydrate. Wie ihr euch vorstellen könnt, hat es nicht geklappt. Dann kam die Kohlsuppendiät, dank der ich sehr viel Zeit auf der Toilette verbrachte. Und ich nahm ab, weil mir irgendwann so schlecht von dem Zeug wurde, dass ich lieber gar nichts mehr gegessen habe. Das war der Einstieg in den Diät-Teufelskreis.

In den nächsten Jahren folgten mehrere Versuche mit WeightWatchers. Das Konzept und die Idee dahinter finde ich nach wie vor sehr gut. Deswegen auch mehrmalige Versuche meinerseits. Aber mir wurde es im Alltag zu aufwendig, gemessen an dem Abnehmerfolg (2-3 kg im ersten Monat, danach Stagnation).

Der Alltag drehte sich um Kalorien & Sport

Einmal war ich wirklich richtig erfolgreich mit einer Diät. Das war im Sommer nach dem Abi. Drei Monate habe ich jeden Tag mindestens einmal Ausdauersport gemacht, maximal 30 Gramm Fett am Tag gegessen und abends ausschließlich Obst und Gemüse. Danach habe ich mich das erste Mal überhaupt schlank gefühlt.

frauen mit kurven
Foto: RStollner/shutterstock.com

Aber auch hier: Dieses Sport- und Esspensum konnte ich unmöglich in mein Leben integrieren, als der Alltag zurückkam. Viel sitzen, Mensaessen, zwei Mal die Woche Uni-Sport. Nach 3 Jahren Bachelor war ich dann sogar dicker als vorher und bei Größe 44 angelangt.

Ich versuchte es mit Low-Carb-Diät und Schlank im Schlaf. Immer nahm ich ein paar Kilos ab. Und genauso viele wieder zu. Es war frustrierend.

Schluss mit den Diäten –  Leben genießen

Seit zwei Jahren habe ich allen Diäten abgeschworen. Schlank und durchtrainiert, das haben meine Gene nicht für mich vorgesehen. In der Familie meiner Mutter neigen alle Frauen zu sehr kurvigen Figuren. Mein Körper ist ein Futterverwerter – er bunkert einfach mehr als andere. So bin ich, und das ist okay.

Im Alltag versuche ich mich, gesund zu ernähren. Süßes gibt’s nur zu Anlässen oder bei PMS. Wenn ich Lust auf eine Pizza oder Lasagne haben, bestelle ich sie mir – ohne mich dafür zu geißeln. Nach Feiertagen oder vor dem Sommerurlaub ersetze ich Mahlzeiten phasenweise durch Eiweißshakes, einfach um mein Gewicht zu halten und Zunahmen wieder auszugleichen.

Ich möchte mein Leben genießen. Das geht auch als Plus Sizer. Das Ende des Diätenwahnsinns hat mich irgendwie befreit. Jetzt kann ich meine Energie im Alltag endlich auf die Dinge in meinem Leben richten, die mir wichtig sind: Meine Familie, meine Freunde, mein Job, anbou.

Porträtfoto von mir: Stephanie Kunde

Anna

Gründerin anbou

Viele Jahre habe ich mit mir und meiner Figur gekämpft. Heute ist Plus-Size ein Teil von mir, zu dem ich offen stehe. Für schöne, feminine Mode habe ich schon immer eine große Schwäche gehabt. Ich liebe kräftige Rottöne, taillierte Kleider und weiche Pastelltöne. Mit anbou will ich andere Frauen dazu ermutigen, zu sich und ihrer Figur zu stehen. Schönheit kennt keine Größe! Ihr wollt mit mir in Kontakt treten? Schreibt mir einfach an peters@anbou.de.

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anbou - das sind wir: Najat und Anna, zwei waschechte Plus Size Ladys. Wir bloggen, recherchieren und kommentieren Themen, die kurvige Frauen bewegen - von Mode bis Karriere, von Body Positivity bis hin zu Beauty Tipps.