Plus Size? Was ist das eigentlich?

Plus Size wird in Deutschland gerne als Synonym für Übergröße verwendet. Aber was ist Plus Size – und vor allem: ab welcher Größe startet sie? Darüber scheiden sich die Geister.

Plus Size was ist das?
Foto: Sudowoodo /shutterstock.com

Ich erinnere mich lebhaft an eine Zeit „Vor-Plus-Size“. Das war in der Schulzeit. Da wurde jegliche Mode ab Größe 42/44 als Übergröße bezeichnet. Daran erinnere ich mich sehr genau. Denn als Teenie mit einer Gr.40/42 war ich immer sehr darauf bedacht, nicht die magische Größengrenze zu überschreiten. Denn ich wusste: Dahinter lauerte das modische Nirvana. Dann war es vorbei mit dem gemeinsamen Mädels-Shoppingevent. Gemeinsam durch Blusen, Kleider und Hosen stöbern, ging mit Übergröße nicht mehr. Denn dann war man raus. Als Mädchen mit Übergröße konnte man entweder verschämt beim Shoppen zu schauen und die Taschen der anderen tragen. Oder man war so mutig, sich von den Freundinnen abzusetzen und in die Übergrößen-Ecken zu gehen. Dort wo die schwarzen oder blumig-gemusterten Zelte hingen, für die meine Großmutter fast noch zu jung gewesen wäre.

Übergröße – ein Schmuddelwort für mich

Im Leben nicht hätte ich mich in diese Ecke gewagt. Das war mir – und sicher auch den meisten Jugendlichen und jungen Frauen – viel zu stigmatisierend. Irgendwie schaffte ich es daher immer mit Crash-Diäten die Nirvana-Grenze lange Zeit nicht zu überschreiten. (Okay, das war dann mit Beginn des Studiums vorbei, als dann auf meinem Essensplan Fast Food & Mensa-Essen standen, statt Mamas gesunder, fettarmer Küche. Aber meine Plus-Size Karriere ist ein anderes Thema…).

Also: Übergröße war früher alles, was man damals in den extra Ecken bei H&M bekommen hat oder bei Ulla Popken. Übergröße war – für mich – gefühlt ein Schmuddelwort, sehr negativ und stigmatisierend.

Und dann kam ein regelrechter Umbruch in den letzten Jahren: Immer mehr Frauen jenseits von Modelmaßen machten sich mit persönlichen Blogs einen Namen und brachen eine Lanze für uns üppige Frauen; zeigten, wie schön Mode an kurvigen Frauen aussehen kann. Und dass man sich nicht schämen muss, nur weil die eigene Figur nicht dem der Hochglanzmagazine entspricht. Nach und nach entdeckt jetzt auch die Modeindustrie mollige Frauen als kaufkräftige Kundinnen. Und irgendwo in diesem Umbruch, setzte sich im Deutschen der englische Begriff für Übergröße durch: Plus Size. Heute gibt es Plus Size Blogs, Plus Size Fashion und Plus Size Models.

Plus Size Model in Größe 38 löste Shitstorm aus

Ich persönlich mag den Begriff. Mit ihm verbinde ich ein positiveres Bild von Übergröße. In meinen Ohren klingt er mode- und selbstbewusster. Für mich ist Plus Size alles über Größe 42, dort wo in meiner Jugend die Grenze zum Mode-Nirvana verlief.

Calvin Kleins erstes Plus Size Model: Empörung auf Twitter & Co.
Calvin Kleins erstes Plus Size Model: Empörung auf Twitter & Co.

Aber je mehr ich mich mit Plus Size beschäftige, desto deutlicher wird: So klar ist es gar nicht, was Plus Size ist und wo es anfängt. Der Interpretationsspielraum ist riesig: Für die traditionell magerfixierte Modebranche fängt Plus Size oft schon ab Größe 38 an. Wer nicht Size Zero ist, ist Plus Size. Das zeigte vor über einem Jahr die Calvin Klein Kampagne mit Myla Dalbesio, die als erstes Plus Size Model des Unternehmens in Erscheinung trat – mit einer Größe 38! Dalbesio sah in der Kampagne traumhaft schön aus – und traumhaft schlank. Die Kampagne löste einen regelrechten Shitstorm in den sozialen Medien aus. Das soll Plus Size sein? – so die empörte Frage vieler.

Die meisten Übergröße-Kollektionen fangen bei Größe 38 (zum Beispiel s. Oliver Triangle) oder Größe 40 (zum Beispiel Violeta by Mango) an. Aber ist das wirklich schon Plus Size? Oder steckt dahinter nicht viel mehr eine strategische Entscheidung, mit einem Label eine möglichst große Zielgruppe zu erreichen, um möglichst großen Umsatz zu erzielen? Denn mit Mode ab Größe 38 würde man knapp 85 Prozent aller Frauen in Deutschland ansprechen, da nur 15% kleinere Größen tragen.

„Ich bin keine Plus Size, ich trage Größe 44“

Für die meisten unstrittig bin ich eine Plus Size: Ich trage Kleidung zwischen Größe 44 und 48 – je nach Schnitt und Marke. Und da habe ich schon andere Ansprüche und Wünsche an Schnitt und Stoffe als meine Freundinnen, die eine 38 tragen: Die Hüfte muss locker umspielt werden, Stoffe sollten keine Fettpölsterchen abzeichnen und T-Shirts nicht durchsichtig sein. Von daher finde ich es ganz schwierig, wenn eine Kollektion allen Größen – kleinen, mittleren wie großen – gerecht werden will und die eierlegende Wollmilchsau sein will.

Vor kurzem habe ich mit meiner Freundin Anne aus Kindergartenzeiten telefoniert, die ich seit vielen Jahren nicht gesehen habe. Wir sprachen über anbou und Plus Size und ich wollte wissen, ob sie Lust hat für uns einen Gastartikel zu schreiben. „Ja, das mache ich gerne,“ antwortete sie und fügte hinzu: „Allerdings falle ich wohl eher nicht in eure Zielgruppe. Ich bin keine Plus Size, ich trage Größe 44.“ Ich stutze. Für mich ist alles ab Größe 42 Plus Size. Für meine Freundin bedeutet der Begriff offensichtlich etwas anderes.

Wie geht es Euch? Was ist Plus Size für Euch? Mögt Ihr den Begriff oder zieht ihr andere – wie kurvig oder mollig – vor?

 

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Anna

Gründerin anbou

Viele Jahre habe ich mit mir und meiner Figur gekämpft. Heute ist Plus-Size ein Teil von mir, zu dem ich offen stehe. Für schöne, feminine Mode habe ich schon immer eine große Schwäche gehabt. Ich liebe kräftige Rottöne, taillierte Kleider und weiche Pastelltöne. Mit anbou will ich andere Frauen dazu ermutigen, zu sich und ihrer Figur zu stehen. Schönheit kennt keine Größe! Ihr wollt mit mir in Kontakt treten? Schreibt mir einfach an peters@anbou.de.

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anbou - das sind wir: Najat und Anna, zwei waschechte Plus Size Ladys. Wir bloggen, recherchieren und kommentieren Themen, die kurvige Frauen bewegen - von Mode bis Karriere, von Body Positivity bis hin zu Beauty Tipps.