Interview mit Plus Size Designerin Miriam Jezek

Junge Plus Size Mode, die nachhaltig produziert wird – darauf setzt die österreichische Designerin Miriam Jezek mit ihrem Label Grand Styles. Im Gespräch mit anbou gibt sie Einblicke in ihre neue Kollektion und prangert Missstände in der Modeindustrie an.

Miriam Jezek Shirt Rose Volcano
Shirt Rose Skirt Volcano Foto: Daniel Pold Photography

Wie ist die Idee zu Grand Styles by Miriam Jezek gekommen?

Als ich meine Anstellung beendete, hatte ich eine Zeitlang intensiv über mein zukünftiges Arbeitsdasein nachgedacht. Die Selbstständigkeit stand da nicht sofort im Raum, war aber unbewusst schon vorhanden. Und da das Jobangebot in Österreich im textilen Sektor sehr rar ist, war es dann die logische Folgerung selbst etwas auf die Beine zu stellen. Dass es einen Mangel an modischer und hochwertiger Kleidung abseits der übergroß geschnittenen Zipfelshirts gibt, musste ich oft genug selbst erleben. Nach gründlichen Recherchen zu dem Thema entstand dann nach und nach das Konzept für Grand Styles.

Deine Kollektionen sind im Premium-Segment angesiedelt. Was ist typisch an deinen Styles und wofür steht Grand Styles?

Starke Kontraste und das Spiel verschiedenster Materialstrukturen, Stoffoptiken und überraschenden Details prägen die Grand Styles Kollektion. Die Schnittführung der Modelle ist bewusst minimalistisch. Die Kundinnen sollen ihre Kurven gekonnt in Szene setzen können. Die Modelle sind daher körpernah geschnitten, ohne dabei die notwendige Bequemlichkeit zu verlieren. Produziert werden die Designerstücke vorwiegend aus natürlichen Materialien – viele davon GOTS zertifiziert und Stoffen aus Überproduktionen in Österreich.

Foto: Bianca Kübler Photography
Miriam Jezeks neue Kollektion. Foto: Bianca Kübler Photography

Wir sind ganz angetan davon, dass du deine Kollektionen unter fairen Bedingungen produzieren lässt. Wieso ist dir Nachhaltigkeit wichtig und wie setzt du diese konkret um?

Durch meine frühere Tätigkeit war ich schon öfter in Nähereien in Europa vor Ort. Für viele junge Menschen ist der Begriff Akkordarbeit wahrscheinlich schon ein Fremdwort geworden. Ich möchte das an dieser Stelle gerne kurz erläutern: Die Näherinnen bekommen für Ihre Arbeit eine Zeit vorgegeben. Zum Beispiel für beide Seitennähte an einem T-Shirt 1,60 Minuten. Ein Arbeitstag hat durchschnittlich 480 Minuten. Das heißt, besagte Näherin muss am Tag von 300 Shirts die Seitennähte nähen. Uff, eine ganz schöne Menge. Falls die Mitarbeiterin sehr flink ist und diese Zeit übertrifft, bekommt sie am Ende des Monats eine zusätzliche Prämie ausbezahlt.

Schnelligkeit allein ist nicht alles, natürlich müssen auch Maße und Qualität beachtet werden. Also ein ganz schöner Druck, der durch immer kürzer werdende Kollektionsintervalle und den immer größer werdenden Preiskämpfen verstärkt wird.

Mir ist es deshalb wichtig, die Wertigkeit von Produkten beim Konsumenten wieder in Erinnerung zu rufen. Ich denke, wir vergessen nur allzu oft, wieviel Arbeit hinter einem Produkt steckt.

Momentan fertige ich alle Stücke meiner Kollektion selbst und setzte, wann immer es möglich ist, Materialien, welche GOTS zertifiziert sind, ein. (Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist als weltweit führender Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern anerkannt. Auf hohem Niveau definiert er umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette und fordert gleichzeitig die Einhaltung von Sozialkriterien.)

Du trägst selbst eine Größe 46/48. Was trägst du privat gerne und bei welchen Labels shoppst du?

Glücklicherweise komme ich in den Genuss, meine eigenen Prototypen tragen zu können. Daneben habe ich einige lieb gewonnene Teile von Wolford. Ansonsten präferiere ich kein spezielles Label. Wenn mir ein Outfit gefällt, es bevorzugt aus natürlichen Materialien hergestellt, toll verarbeitet ist und dann auf dem Etikett auch noch ein Herkunftsland, welches nicht tausende Kilometer entfernt liegt, drauf steht, gibt’s bei mir einen Freudenschrei.

Miriam Jezeks neue Kollektion. Foto: Bianca Kübler Photography
Miriam Jezeks neue Kollektion. Foto: Bianca Kübler Photography

Auf deiner Website deutest du an, dass du dich in Zukunft vielleicht auch den Bereichen Lingerie und Swim Wear widmen möchtest. Ein Bereich, der im Übergröße-Segment leider sehr stiefmütterlich behandelt wird. Hast du da schon konkrete Pläne?

Ich habe schon viele Ideen, einige Schnitte und Prototypen ausgearbeitet. Meine Passion liegt nach wie vor im Lingerie-Bereich, da ich seit meiner Ausbildung in der Branche gearbeitet habe. Die teils technischen Herausforderungen beim Entwickeln eines BHs finde ich nach wie vor fesselnd. Da die Passform bei Unterwäsche um einiges heikler ist als bei Oberbekleidung, braucht es hier aber auch eine überlegtere Entwicklung der Produkte.

Die filigranen Materialien, die bei Lingerie verwendet werden, finden sich jedoch teilweise in der Grand Styles Kollektion – wie zum Beispiel beim Spitzenshirt Rose oder bei der Serie Wave. Momentan fokussiere ich mich aber auf den Aufbau meines Labels Grand Styles.

Liebe Miriam, danke für das Interview und den spannenden Einblick in dein Label!

Anna

Gründerin anbou

Viele Jahre habe ich mit mir und meiner Figur gekämpft. Heute ist Plus-Size ein Teil von mir, zu dem ich offen stehe. Für schöne, feminine Mode habe ich schon immer eine große Schwäche gehabt. Ich liebe kräftige Rottöne, taillierte Kleider und weiche Pastelltöne. Mit anbou will ich andere Frauen dazu ermutigen, zu sich und ihrer Figur zu stehen. Schönheit kennt keine Größe! Ihr wollt mit mir in Kontakt treten? Schreibt mir einfach an peters@anbou.de.

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anbou - das sind wir: Najat und Anna, zwei waschechte Plus Size Ladys. Wir bloggen, recherchieren und kommentieren Themen, die kurvige Frauen bewegen - von Mode bis Karriere, von Body Positivity bis hin zu Beauty Tipps.