Hygge – künstlich inszenierte Gemütlichkeit

Eins vorweg: Ich liebe es gemütlich daheim! Für einen kuscheligen Serienabend mit Freunden in Pyjamas und Wollsocken würde ich so ziemlich jede Party sausen lassen. Aber was sich zurzeit als „Hygge“ und „Scandi-Schick“ getarnt in vielen sozialen Medien und auch immer öfter in den heimischen Wohnzimmern zeigt, lässt mich oft verwundert zurück.

Gewollte Gemütlichkeit, perfekt inszeniert, minimal persönlich: Das scheint zunehmend das Paradigma für die eigenen vier Wände zu sein. Auf kleinen unpraktischen Designertischchen werden farblich passende Accessoires positioniert und an den Wänden hängen keine Fotos aus dem eigenen Leben. Überhaupt scheint Persönliches im Wohnzimmer nicht gewollt zu sein: Kitschige Urlaubsmitbringsel aus Thailand? Die Lieblingsromane der vergangenen 10 Jahre im vollgestellten Bücherregal? Charmante aber unperfekte Kritzeleien der eigenen Kinder? Ein farblich nicht passendes, dafür aber seit Studentenzeiten heiß geliebtes Möbelstück? Das sucht man meist vergebens im modernen hyggeligen Zuhause.

Foto: Photographee.eu/shutterstock.com
Foto: Photographee.eu/shutterstock.com

Unser Wohnzimmer – das neue Statussymbol

Jedes Accessoires ist handverlesen, passt farblich perfekt ins Konzept und unterstreicht den minimalistisch-reduzierten Anspruch. Kinder- und Urlaubsbilder an den Wänden? Lieber nicht. Wenn schon, dann ein nichtssagender, austauschbarer Kunstdruck, wie er bereits in unzähligen anderen hyggeligen Wohnzimmern hängt.

Ja, so ein durchgestyltes Zuhause sieht mit Sicherheit schick und repräsentativ aus – keine Frage! Aber ich frage mich immer, wo da die Persönlichkeit bleibt, die eigene Geschichte, die persönliche Note. Mir kommt es so vor, als habe das Wohnzimmer das Auto als Statussymbol abgelöst, zumindest in meiner Generation. Was früher der PS-starke BMW war, ist heute das gewollt minimalistische Hipster-Wohnzimmer, das sich jederzeit als Fotostudio für die nächsten Instagram-Bilder umfunktionieren lässt.

Trend Hygge: Flucht vor der realen Welt

Hygge & Scandi-Schick hören leider auch nicht im Wohnzimmer auf. Sie werden zunehmend zu einer Lebenseinstellung meiner Generation. Gemütlich und clean muss es sein! Häkeln und Stricken sind daher en vogue, eigentlich alles, was man in Ruhe Zuhause machen kann: malen, backen, basteln. Hauptsache weit weg von der Realität, den traurigen Nachrichten über Terror und Katastrophen. Wird die Welt draußen zu grau, strickt man sich Zuhause einen Einhorn-Pulli. Und braucht man eine Pause, schnappt man sich das Smartphone, um die Teetasse mit dem Kamin im Hintergrund für Instagram abzulichten. Soll ja jeder sehen, wie hyggelig es hier ist!

Für mich ist dieses neue Biedermeier-Leben nichts. Wer bei mir zu Besuch ist, muss mit vollgestopften Bücherregalen leben, mit Bilderrahmen, die farblich nicht zusammen passen und haufenweisen Spuren meines Lebens – von Hochzeitsfotos über alte „Sex and the City“-DVDs bis hin zu historischen Wälzern. Ach ja, und fein dekorierte selbstgebackene instagramwürdige Cupcakes gibt es auch nicht, wenn man vorbei kommt. Denn für so einen Firlefanz habe ich keine Zeit.

 

 

 

 

Anna

Gründerin anbou

Viele Jahre habe ich mit mir und meiner Figur gekämpft. Heute ist Plus-Size ein Teil von mir, zu dem ich offen stehe. Für schöne, feminine Mode habe ich schon immer eine große Schwäche gehabt. Ich liebe kräftige Rottöne, taillierte Kleider und weiche Pastelltöne. Mit anbou will ich andere Frauen dazu ermutigen, zu sich und ihrer Figur zu stehen. Schönheit kennt keine Größe! Ihr wollt mit mir in Kontakt treten? Schreibt mir einfach an peters@anbou.de.

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