Fatshaming in der Öffentlichkeit

„Du fette Sau!“ schreien ein paar aufgekratzte Teenie-Mädels einem kräftigen, jungen Mann hinterher, der auf dem Fahrrad an ihnen vorbei fährt. Sie lachen dreckig, der arme Kerl fährt sichtlich getroffen und schweigend davon. Ein klassisches Beispiel von Fatshaming – wie ich es leider in letzter Zeit immer öfter beobachte und auch schon selbst erlebt habe. Warum machen Menschen so etwas?

Seit ich denken kann, interessieren mich Menschen und ihr Verhalten. Schon als Kind habe ich gerne den Observierer gespielt und Erwachsene wie Kinder beobachtet in zwischenmenschlichen Situationen. Dabei ist mir früh aufgefallen, wie unterschiedlich Menschen mit ihren Mitmenschen umgehen – von freundlich-offen, über neugierig bis hin zu distanziert oder verachtend.

Ich hatte Glück mit Liebe, sicher und geborgen aufzuwachsen. Meine Eltern haben viel Wert darauf gelegt, dass mein Bruder und ich höflich und freundlich in der Öffentlichkeit sind. Das habe ich sehr verinnerlicht und es muss schon verdammt viel passieren, ehe ich Mitmenschen anpöbel oder beleidige. Umso schwerer fällt es mir, wenn ich Menschen treffe, die das Gegenteil von alldem sind, was ich als gut und recht bezeichne.

Anna anbou.de
Fotografin: Stephanie Kunde

Mobber: Selbsthass und Komplexe

Menschen, die Fremde ohne Grund anpöbeln, anschreien, beleidigen oder gar gewalttätig werden, sind mir ein Buch mit sieben Siegeln. Klar ist für mich aber: Menschen, die so respektlos ihrer Umwelt gegenüber sind, sind eigentlich arme Schweine. Ihnen muss im Leben soviel Liebe und Zuneigung fehlen, der Respekt ihrer Bezugspersonen und sie müssen dermaßen von Minderwertigkeitskomplexen zerfressen sein, dass sie sich selbst hassen. Und ihre Umwelt gleich mit. Und als Ventil suchen sie sich vermeintlich einfache Opfer, denen man mal ebenso etwas an den Kopf werfen kann. Den Hass, den sie eigentlich für sich empfinden, projizieren sie auf ihre Mitmenschen, damit diese sich genauso mies fühlen wie sie selbst. Sie verletzen, um sich selbst besser zu fühlen.

In meiner persönlichen Wahrnehmung werden solche Vollhonks immer mehr – ob es jetzt in Berlin Jugendliche sind, die einen Obdachlosen anzünden oder eine fremde Frau die Treppe runterstoßen. Wer kennt diese Ereignisse aus den Medien nicht? Aber auch in meinem privaten Umfeld fällt mir diese Respektlosigkeit vor Mitmenschen immer öfter auf. Vor allem Fatshaming scheint gerade wieder en vogue zu sein.

Ist Fatshaming salonfähig?

Gerade diese Woche noch habe ich im rheinischen Brühl eine Gruppe Tennie-Mädchen auf dem Schulweg gesehen, die einem kräftigen Mann, der auf dem Fahrrad an ihnen vorbei fuhr, „fette Sau“ hinter her schrien. Wäre ich näher am Geschehen dran gewesen (ich stand mit dem Kinderwagen auf dem Bahnsteig, die Mädchen liefen auf einem Gehweg gegenüber) und der Mann nicht sofort um die nächste Ecke verschwunden, hätte ich den Gören aber ordentlich die Meinung gegeigt über ihr Verhalten und dem Mann moralischen Beistand geboten. Der arme Typ tat mir echt Leid.

Leider mischen sich in solchen Situationen viel zu wenige Passanten ein, um den respektlosen Menschen Einhalt zu gebieten. Ich habe das selbst auch schon am eigenen Leib erlebt. Vor ein paar Monaten saß ich mit einer guten Freundin auf einer Bank am Bonner Hauptbahnhof, um uns herum Mütter, Kinder und ältere Reisende. Aus dem Nichts tauchte ein aggressiver Obdachloser auf und schrie mich lauthals von hinten an. Er beleidigte mich für alle hörbar auch als „Fettwanst“.

Fatshaming: NIE persönlich nehmen!

Alle Reisenden schauten betreten (und erschrocken) zu, aber niemand sagte etwas. Ich bekam es gar mit der Angst zu tun, zitterte und befürchtete, der Mann könnte handgreiflich werden. Also springe ich auf und gehe weg. Noch heute ärgere ich mich, dass er damit durchkommen konnte. Dass ein Mann eine fremde junge Mutter in aller Öffentlichkeit anpöbelt und niemand auch nur ein Wort dagegen sagt, ist schon ein Armutszeugnis.

Leider scheint Fatshaming salonfähig zu sein. So nach dem Motto: selber Schuld, wenn man so auffällt. Aber solche armen Gestalten, die vor lauter Selbsthass Fremde angehen, finden immer einen Vorwand, um zu beleidigen. Wenn es nicht die Kilos zuviel sind, ist es die Hautfarbe eines Menschen, die auffällige Nase oder was ihnen sonst gerade ins Auge springt. Sie finden immer einen Grund, um jemanden zu beleidigen und zu verletzen. Daher sollte man es als Opfer NIE persönlich nehmen. Und immer daran denken: Die Person mit dem offensichtlichen Problem ist der, der beleidigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anna

Gründerin anbou

Viele Jahre habe ich mit mir und meiner Figur gekämpft. Heute ist Plus-Size ein Teil von mir, zu dem ich offen stehe. Für schöne, feminine Mode habe ich schon immer eine große Schwäche gehabt. Ich liebe kräftige Rottöne, taillierte Kleider und weiche Pastelltöne. Mit anbou will ich andere Frauen dazu ermutigen, zu sich und ihrer Figur zu stehen. Schönheit kennt keine Größe! Ihr wollt mit mir in Kontakt treten? Schreibt mir einfach an peters@anbou.de.

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