Ängste: Nackt in der Öffentlichkeit

Jeder hat sie. Manche mehr, manche weniger: Die Rede ist von Ängsten. Eine meiner größten Ängste ist Nacktsein in der Öffentlichkeit. Ob Sauna oder Massenumkleide – beides meide ich seit eh und je. Doch jetzt muss ich mich der Angst stellen.

Ein bisschen nervös bin ich schon den ganzen Morgen. Heute fahre ich mit meinem Sohn zum ersten Mal zum Babyschwimmen. Auf den Kurs freue ich mich seit Monaten, da unser kleiner M. eine echte Wasserratte ist. Doch ein kleines Problem gibt es da, und das heißt Massenumkleide.

Eigentlich dachte ich, dass ich nach dem Schulschwimmen nie wieder einen Fuß in so einen Raum würde setzen müssen. Doch weit gefehlt. Denn sobald man Mutter wird und mit Baby oder Kleinkind im Gepäck schwimmen gehen möchte, sind die kleinen privaten Umkleidekabinen ohne Wickeltisch keine Option mehr. Manche Schwimmbäder bieten für Familien daher Massenumkleiden an – geschlechtergemischt selbstredend!

Bodylove von Silvana Denker
Foto: Silvana Denker #Bodylove

Für mich ist das eine absolute Horrorvorstellung. Vor fremden Männern und Frauen nackt sein und mich umziehen – alleine bei der Vorstellung stellen sich mir die Nackenhaare auf. Daher bin ich auch bis heute noch nie in eine Sauna gegangen. Ich fühle mich mit ein bisschen Stoff am Körper einfach wohler – und wenn es nur ein gut sitzender Tankini ist.

Woran das liegt? Gute Frage! Teilweise sicher daran, dass ich weder Modelmaße, noch eine schöne sonnengebräunte Haut habe. Wie so viele andere Frauen sehe ich gerne meine Defizite statt meiner Stärken. Ich vergleiche mich mit den unerreichbaren Photoshop-Schönheiten von Hochglanzmagazinen. Dass ich mich dann nackt unwohl fühle, ist dann schon fast zwingend.

Aber warum mache ich das? Denn wenn wir ehrlich sind, sehen 99.99% der Menschen nackt nicht makellos aus. Und ich bewundere daher auch die vielen Frauen, die sich für Silvana Denkers Bodylove-Kampagne nackt in Fußgängerzonen getraut haben und zu sich und ihren Körpern so offen stehen.

Wenigstens eine kleine Scheibe möchte ich mir heute davon abschneiden. Und mich meinen Ängsten stellen. Daher wage ich den Schritt in die Massenumkleide. Nein, heute flüchte ich mich nicht mit meinem Baby in die private Mini-Umkleide. Ich ziehe mich zusammen mit all den Müttern und Vätern um. Ich verstecke mich nicht in einer Ecke sondern verhalte mich einfach normal.

Nervös bin ich anfangs trotzdem, aber eigentlich war die Angst davor schlimmer als die Situation selbst. Denn die anderen Eltern sind auch nur Menschen. Und jeder ist mit sich und den Kindern beschäftigt. Ob da jemand Krampfadern, Cellulite oder sonstige Makel hat, interessiert wirklich niemanden. Wir reden und lachen während des Umziehens, füttern und stillen unsere Kinder. Alles ist ganz normal.

Ein wenig stolz gehe ich nach diesem Babyschwimm-Kurs nach Hause. Die Angst ist zwar nicht von heute auf morgen weg, aber immerhin habe ich mich ihr gestellt. Nächste Woche steht dann der zweite Kurstag an. Ich freue mich darauf!

 

 

 

 

Anna

Gründerin anbou

Viele Jahre habe ich mit mir und meiner Figur gekämpft. Heute ist Plus-Size ein Teil von mir, zu dem ich offen stehe. Für schöne, feminine Mode habe ich schon immer eine große Schwäche gehabt. Ich liebe kräftige Rottöne, taillierte Kleider und weiche Pastelltöne. Mit anbou will ich andere Frauen dazu ermutigen, zu sich und ihrer Figur zu stehen. Schönheit kennt keine Größe! Ihr wollt mit mir in Kontakt treten? Schreibt mir einfach an peters@anbou.de.

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